Jagdzeit für den Wolf: Wird er jetzt bundesweit geschossen?
Von einer bundesweiten Freigabe kann keine Rede sein – die Länder entscheiden.
Seit Juli gilt in Deutschland eine Jagdzeit für den Wolf. Doch wer daraus eine bundesweite Freigabe zur Bejagung ableitet, liegt falsch. Die neue Regelung im Bundesjagdgesetz gibt den Ländern mehr Handlungsspielraum, bleibt aber an enge rechtliche Voraussetzungen gebunden. Kathrin Führes, Leitung Digital Jagdmedien im dlv, ordnet ein, was das in der Praxis bedeutet.
Darf der Wolf jetzt in Deutschland gejagt werden? Seit Juli sorgt diese Frage in vielen Regionen für Diskussionen. Denn der Wolf steht seit 2026 im Bundesjagdgesetz, mit einer vorgesehenen Jagdzeit vom 1. Juli bis 31. Oktober. Was nach einer bundesweiten Freigabe klingt, ist in der Praxis deutlich komplizierter.
Bis Ende des 20. Jahrhunderts galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Seit der natürlichen Wiederbesiedlung aus Polen und dem ersten bestätigten Rudel in der Lausitz im Jahr 2000 hat sich die Art wieder etabliert. Für das Monitoringjahr 2024/2025 weist das Bundesamt für Naturschutz 219 Wolfsrudel, 43 Wolfspaare und 14 sesshafte Einzelwölfe aus. Schwerpunkte liegen vor allem in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Keine bundesweite Wolfsjagd
Trotz der neuen Jagdzeit folgt daraus keine bundesweite Freigabe zur Bejagung. Entscheidend ist, was die Länder daraus machen: Voraussetzung sind unter anderem landesrechtliche Regelungen, revierübergreifende Managementpläne und die Vereinbarkeit mit einem günstigen Erhaltungszustand der Art.
Länder regeln die Umsetzung
Einzelne Länder setzen die neuen Regeln bereits um oder bereiten Managementpläne vor. Niedersachsen hat einen landesweiten Managementplan veröffentlicht. Hessen hatte für den Lahn-Dill-Kreis eine begrenzte Entnahme juveniler Wölfe vorgesehen; diese ist nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Kassel jedoch vorerst ausgesetzt. Das Beispiel zeigt: Die neue Rechtslage schafft Handlungsspielräume, bleibt aber rechtlich eng geführt und im Einzelfall überprüfbar.
„Niemand in der Jägerschaft wartet darauf, jetzt flächendeckend Wölfe zu bejagen. Jagd bedeutet Verantwortung - nicht wahllosen Abschuss. Es geht darum, dort handlungsfähig zu sein, wo erhebliche Konflikte entstehen, und gleichzeitig den günstigen Erhaltungszustand der Art dauerhaft zu sichern“, sagt Kathrin Führes, Leitung Digital Jagdmedien im dlv.
Die neue Rechtslage soll vor allem dort Handlungsmöglichkeiten schaffen, wo Konflikte mit Weidetierhaltung, Almwirtschaft oder Deichbeweidung entstehen. Gerade in Regionen mit hoher Wolfsdichte und wiederholten Nutztierrissen wächst der Druck auf Tierhalter, Behörden und Politik. Zugleich bleibt der Wolf eine geschützte Art. Herdenschutz, Monitoring und behördlich gesteuertes Management bleiben zentrale Bestandteile des Umgangs mit dem Wolf.
Auch aus jagdlicher Sicht ist die Umsetzung anspruchsvoll. Wölfe sind scheu, mobil und lernfähig. Eine regulierte Bejagung ist daher nicht mit klassischer Jagdpraxis auf häufige Wildarten vergleichbar. Sie setzt klare Zuständigkeiten, belastbare Daten und regionale Managemententscheidungen voraus.
„Die Aufnahme ins Bundesjagdgesetz ist kein Freibrief, sondern ein Instrumentenkasten“, so Führes. „Ob und wie er genutzt wird, entscheidet sich in den Ländern und in den konkreten Konfliktregionen.“
Kathrin Führes, Leitung Digital Jagdmedien im dlv, steht Redaktionen als Ansprechpartnerin und Expertin für Rückfragen zur neuen Wolfsregelung im Jagdrecht zur Verfügung.
Über Pirsch
PIRSCH ist eine deutschsprachige Jagdmedienmarke des dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH. pirsch.de ist Europas meistgeklicktes Fachportal zur Jagd. Zur Marke gehören neben dem Onlineportal pirsch.de ein Printmagazin, dessen digitale Ausgabe und Newsletter. PIRSCH informiert schnell, praxisnah und respektvoll über aktuelle Entwicklungen rund um Jagd, Wild, Natur und Revier.
Kontakt:
Kathrin Führes
Leitung Digital Jagdmedien
dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH
Kabelkamp 6, 30179 Hannover
kathrin.fuehres@dlv.de
www.pirsch.de
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