Iran-Krise eskaliert: Droht jetzt der Lebensmittel-Schock für Deutschland?
90 Prozent weniger Tanker, explodierende Düngerpreise, Hungergefahr weltweit: Die Iran-Krise könnte Essen drastisch verteuern – auch bei uns.
Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu – und die Folgen könnten bald im deutschen Supermarkt ankommen. Das sagt eine Expertin des Deutschen Landwirtschaftsverlags voraus. Anlass ist die Veröffentlichung einer neuen Risikobewertung durch die Welternährungsorganisation FAO. Noch stärker betroffen sind Länder des globalen Südens. Denn die Blockade der Straße von Hormus trifft das Herz der globalen Versorgung.
Die Zahlen sind dramatisch: Seit Februar 2026 ist der Tankerverkehr durch die wichtige Handelsroute um über 90 Prozent eingebrochen. Damit fehlen plötzlich 35 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls, 20 Prozent Flüssiggas – und fast ein Drittel der Düngemittel.
Für die Landwirtschaft ist das ein Schock.
„Stickstoffdünger wird mit Gas hergestellt. Steigen die Energiepreise, explodieren die Kosten“, erklärt agrarheute-Redakteurin Anna-Maria Buchmann. Tatsächlich stiegen die Gaspreise in Europa zeitweise um bis zu 75 Prozent. Harnstoff-Dünger verteuerte sich innerhalb weniger Tage um bis zu 28 Prozent.
Die Folge: eine gefährliche Preisspirale – vom Feld bis in den Supermarkt.
Drei Treiber machen Lebensmittel jetzt weltweit teurer, warnt die FAO:
- Logistikkosten: Diesel wird teurer – damit steigen Kosten für Traktoren, Bewässerung und Transport.
- Lebensmittel-Inflation: Im Iran zeigt sich bereits das Extrem – Weizenmehl wurde dort in kurzer Zeit fast 200 Prozent teurer.
- Steigende Düngerpreise: Mitte April liegen etwa die Importpreise für Harnstoffdünger in Deutschland bei rund 750 €/Tonne, ein Plus von knapp 40 Prozent gegenüber vor der Krise.
Weltweit droht eine Hungerkrise
Besonders gefährdet sind Regionen, die stark von Importen abhängig sind, so die FAO:
- Ostafrika und Sudan: Länder wie Somalia, Kenia und Äthiopien beziehen bis zu 54 Prozent ihres Düngers aus dem Golf.
- Südostasien: In Bangladesch und Sri Lanka drohen bereits Ernteausfälle bei Reis.
- Golfstaaten: Trotz ihres Reichtums importieren sie 70 bis 90 Prozent ihrer Lebensmittel.
Zusätzlich bricht in vielen Ländern eine wichtige Einnahmequelle weg: Rücküberweisungen von Gastarbeitern. In Nepal machen sie 8,1 Prozent der Wirtschaftsleistung aus – fällt dieses Geld weg, fehlt es direkt für Lebensmittel.
Die FAO warnt daher vor einer Kettenreaktion: weniger Dünger, geringere Ernten, steigende Preise. Sollte die Krise länger als drei Monate dauern, könnten weltweit die Erträge bei Weizen, Reis und Mais sinken.
Auch bei uns? Aktuell ist in Deutschland die Versorgung mit Lebensmitteln gesichert. Der Selbstversorgungsgrad liegt rein rechnerisch bei 84 Prozent. Dennoch sind wir nicht autark. Der Irankonflikt zeigt, wie versteckte Importabhängigkeiten unsere heimische Produktion im Krisenfall verwunden können.
Die Auswirkungen des Irankrieges treiben bereits die Herstellungskosten in die Höhe. Deutsche Landwirte zahlten im März im Schnitt 684 Euro/t Harnstoff. Das waren 140 Euro/t mehr als im Vormonat. Die CBOT-Futures für Harnstoff-Granulat (FOB Mittlerer Osten) verdeutlichen den Preisanstieg: Notierte die Tonne am 27. Februar 2026 noch bei 484 US-Dollar, schoss sie bis zum 15. April um 71,5 Prozent auf 830 US-Dollar nach oben. Auch Energie- und Logistikkosten steigen deutlich, entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Zeitversetzt wird sich das in den Preisen in deutschen Supermärkten niederschlagen, besonders bei energieintensiven Produkten wie Milch und Backwaren oder Importwaren mit einem langen Lieferweg.
Noch sind die Lager gefüllt. Doch Experten warnen: Wenn Landwirte jetzt weniger düngen, drohen ab 2027 niedrigere Ernten und damit massive Preissprünge. Dann könnten Lebensmittel empfindlich teurer werden. Heißt: Die Iran-Krise ist längst mehr als ein geopolitischer Konflikt – sie könnte der Auslöser für die nächste globale Lebensmittelkrise sowie für stark ansteigende Lebensmittelpreise bei uns sein.
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Kontakt:
Anna-Maria Buchmann
Crossmedia-Redakteurin agrarheute
Tel.: +49 30 293974 75
anna-maria.buchmann@dlv.de
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